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Genus von Städtenamen: „Paris est belle“ oder „Paris est beau“?

Paris est jolie

Jedes Mal, wenn ich in Paris bin und mit Einheimischen ins Gespräch komme, bringe ich früher oder später meine Bewunderung für die französische Kapitale zum Ausdruck. Da stellt sich natürlich die Frage, welches Geschlecht Städtenamen im Französischen haben. Schließlich sieht man es ihnen zumeist rein äußerlich nicht an. Heißt es nun: „Paris est belle“ oder „Paris est beau“?

„Paris est une femme“ soll der ehemalige französische Staatspräsident und langjährige Pariser Bürgermeister Jacques Chirac einst gesagt haben (Chirac hat sich übrigens auch mit der Schöpfung des Wortes „abracadabrentesque“ literarisch unsterblich gemacht). Wäre dem tatsächlich so, hätten wir sogleich die Antwort auf die Eingangsfrage parat. Wenn Paris „eine Frau“ ist, muss es richtigerweise „Paris est une belle ville“ heißen. Für die feminine Form plädiert auch der bekannte französische Sprachwissenschaftler Bernard Cerquiglini. In einem Video der Reihe „Merci Professeur“ auf TV5.org erklärt er das Genus bei Städtenamen im Fall von Paris wie folgt: Ist mit Paris die Stadt selbst gemeint, ist der Name der Stadt stets weiblich und das Adjektiv muss in Zahl und Geschlecht angepasst werden. Ein weiteres Beispiel: Rome est pleine de beaux monuments.

Ach, die Grammatik-Regel könnte doch so einfach sein. Denkste!

Der Beweis: Diese rege Forumsdiskussion im Online-Wörterbuch „Leo“ oder auch hier. Und auf „lern-online.net“ liest man: „Das Geschlecht der Städte ist unklar. Die Tendenz geht zum Maskulinum.“ Auch die Académie française schreibt auf ihren Seiten: „(…) le genre des noms de ville (tout comme celui des noms de pays) ne suit pas de règle précise (…)“. Und der bereits verstorbene Schriftsetzer und Autor Jean-Pierre Lacroux schrieb zu diesem Thema: „Quiconque a soif de certitude ne se désaltérera pas ici. Le genre des villes est un des hauts lieux de la liberté onomastique. Hormis celles dont le nom contient un article (singulier), les villes ne se laissent pas facilement attribuer un genre immuable.“

Variierendes Geschlecht

Das Geschlecht von Städtenamen ist im Sprachgebrauch schwankend und variiert je nach Kontext.

In dem Buch „Französische Grammatik mit besonderer Berücksichtigung des Lateinischen“ von Eduard Maetzner aus dem Jahr 1856 steht in Bezug auf Städtenamen, dass „ihre weibliche Endung auch meist das weibliche Geschlecht bedingt.“ Städtenamen, die also auf ein stummes „e“ oder „es“ enden, sind für gewöhnlich weiblich, alle anderen Städte männlich.

In der gesprochenen Sprache dominiert das Maskulinum bei Städtenamen, in der literarischen Sprache hingegen ist die weibliche Form geläufiger (Man erinnere sich beispielsweise an die berühmte Rede von Charles de Gaulle am 25. August 1944: Paris ! Paris outragé ! Paris brisé ! Paris martyrisé ! mais Paris libéré !) .Wer grammatikalisch auf Nummer sicher gehen will, stellt dem Städtenamen einfach „la ville de“ voran und passt das Adjektiv an die weibliche Form des Subjekts an: La ville de Paris est belle.

Männlich ist der Städtename in folgenden Fällen:

  • Wird dem Namen der Stadt ein Adjektiv wie „tout“, „grand“, „nouveau“, „ancien“ oder „haut“ vorangestellt, um ein Viertel oder eine Erweiterung der Stadt zu bezeichnen, ist der Städtename maskulin (z. B. tout Paris, le nouveau Paris, le grand Paris, l’ancien Paris est mort etc.)
  • Steht der Name der Hauptstadt stellvertretend für das ganze Land (le pays), für die Regierung (le gouvernement) oder einen Fußballklub (le club de foot), was fachsprachlich auch als Metonymie bezeichnet wird, ist an das männliche Geschlecht anzupassen. So titelte „Le Monde“ einst: „Paris réticent face à l’élimination de l’arme nucléaire.

„Paris est beau“ oder „Paris est belle“? Wie bereits gesehen, lässt sich diese Frage nicht so einfach beantworten wie ursprünglich gehofft. Für beide Varianten findet man eine – mehr oder weniger – akzeptable Erklärung in der Fachliteratur. Allerdings: Für mich ist Paris weiblich – nicht zuletzt wegen der hübschen Pariserinnen. 😉

Zum Abschluss macht Michel Orso mit seinem Titel „C’est beau Paris“ die Verwirrung beim Thema „Genus von Städtenamen“ komplett.

Lust auf ein weiteres Kapitel französische Grammatik? Dann vertiefen Sie sich doch einmal in die Regeln der Pluralbildung im Französischen. Amusez-vous bien !

Hallo, ich heiße Martin Stäbe und arbeite im Online-Marketing. Meine Leidenschaft gehört seit meiner Jugend Frankreich. Ich liebe den Klang der französischen Sprache, Wortspiele, französische Patisserie & mehr. Auf diesem Blog möchte ich meine Erfahrungen mit diesem wunderbaren Land mit anderen Frankophilen teilen. Bonne lecture! :)

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