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„Ich bewundere, wie sich Franzosen Zeit für die schönen Dinge nehmen“

Evi Seibert

Wie oft gibt man sich in Frankreich zur Begrüßung ein Küsschen, in welchen Bäckereien findet man in Paris die besten Baguettes und warum überreicht man Gastgebern den Blumenstrauß in Papier eingewickelt? Fragen über Fragen, die zwei langjährige Frankreich-Korrespondentinnen in dem Buch „111 Gründe, Frankreich zu lieben“ kenntnisreich und mit einem Augenzwinkern beantworten. Anlässlich des heutigen Erscheinungstermins ihres Buchs hat der „Frankreich Fan“ ein Interview mit der Autorin und Hörfunkkorrespondentin des SWR im ARD-Hauptstadtstudio in Paris, Evi Seibert, geführt.

FRANKREICH FAN: „111 Gründe, Frankreich zu lieben“ lautet der Titel Ihres neuen Buchs: Wen wollen Sie mit dieser Liebeserklärung an das Nachbarland konkret ansprechen?

SEIBERT: Mit diesem Buch möchten wir alle ansprechen, die sich für Frankreich interessieren. Natürlich die, die schon in Frankreich verliebt sind -aber natürlich genauso diejenigen, die vielleicht jetzt zum ersten Mal hinfahren wollen. Es sind keine konkreten, praktischen Reisetipps à la „wo finde ich das günstigste Hotel“, es ist eher so, als ob man zu Besuch bei einer sehr guten Freundin wäre, die schon lange in Paris wohnt und die einem einfach erzählt was sie in letzter Zeit Verrücktes oder Schönes in Frankreich erlebt hat, was sie neu entdeckt hat und worauf man selbst achten sollte. Letzten Endes ist es wie ein langes Gespräch beim Abendessen mit guten Freunden in Frankreich. Nur den Rotwein müssen Sie noch selbst besorgen…

FRANKREICH FAN: Wann kamen Sie das erste Mal mit Frankreich, seiner Kultur und seinen Menschen in Berührung? War es bei Ihnen Liebe auf den ersten Blick?

SEIBERT: Ich kam mit knapp zwölf Jahren nach Frankreich, weil damals mein Vater dorthin versetzt worden ist. Es war nicht gleich Liebe auf den ersten Blick, weil ich nämlich überhaupt nicht mit Französisch sprechen konnte. Das war damals ein echtes Handicap. Das hat sich heute aber sehr geändert, weil die Franzosen (wenn auch nur sehr zögerlich) eingesehen haben, dass mehr Leute englisch als französisch beherrschen….Ich habe die Sprache dann relativ schnell lernen können und bin bis zum Abitur dortgeblieben – eigentlich wollte ich überhaupt nie mehr wegziehen, weil ich mich natürlich doch in das Land und seine Landsleute sehr verliebt habe. Ich habe viele Franzosen kennen gelernt und dadurch einfach einen anderen Blick auf das Leben werfen dürfen. Ich bin heute sehr dankbar, dass ich das so früh erleben konnte. Als ich 2009 wieder nach Frankreich gezogen bin, habe ich gemerkt wie wichtig diese Prägung damals war- ich habe mich sofort wieder zuhause gefühlt.

FRANKREICH FAN: Welche bekannten Klischees über Franzosen mussten Sie in den Jahren ihrer beruflichen Tätigkeit in Frankreich revidieren?

SEIBERT: Ein Klischee, das auch in einem Kapitel dargestellt wird, ist, dass die Franzosen gerne flirten und Pariserinnen sozusagen auf Stöckelschuhen geboren werden. Teilweise stimmt das auch- was ich aber nicht wusste ist , dass sie auf der anderen Seite unglaublich prüde sind. Also wenn man in die Sauna geht in Frankreich, muss man seinen Badeanzug anziehen sonst bekommt man empörte Blicke ab. Und auf gar keinen Fall schwitzen Männlein und Weiblein gemeinsam… insofern sind die Franzosen auf der einen Seite bekannt für amouröse Abenteuer -auf der anderen Seite sind sie doch sehr prüde und förmlich in bestimmten Punkten- das hat mich doch sehr erstaunt

FRANKREICH FAN: Was bewundern Sie als Deutsche am meisten an den Franzosen?

SEIBERT: Ich bewundere vor allem, wie sie mit dem Leben umgehen, wie sie das Leben inszenieren und feiern. Das fängt beim guten Essen an und geht tief in den Alltag hinein. Sie nehmen sich ganz bewusst Zeit für schöne Dinge – das haben uns die Franzosen wirklich voraus. Dafür bewundere ich sie und ich bin ihnen vor allen Dingen dankbar, dass ich das ein bisschen lernen durfte- ich habe davon sehr profitiert. Wie man das lernen kann, steht übrigens auch in dem Buch….

FRANKREICH FAN: Wenn man ein Land liebt, sieht man meist über kleinere (und auch größere) Fehler hinweg. Woran müssen die Franzosen Ihrer Meinung nach noch arbeiten?

SEIBERT: Das macht sich natürlich nicht besonders gut, wenn man als Deutsche den Franzosen sagt, wie sie noch an sich arbeiten sollen. Aber eventuell kann man einen Punkt herausnehmen, bei dem viele Franzosen selbst der Meinung sind, dass sie daran arbeiten müssen. Das sind politische Reformen. In Frankreich gibt es immer noch einen extrem aufgeblähten, altmodischen Bürokratie- und Subventionsapparat, der sehr starr ist und wahnsinnig viel Effizienz schluckt. Da müssen Reformen ansetzen, weil das Land sonst ernsthaft tatsächlich in eine Krise geraten könnte. Leider ist es so, dass die Präsidenten in den letzten Jahren immer an der Macht bleiben und wiedergewählt werden wollten. Schmerzhafte Reformen wurden deswegen zwar immer angekündigt- aber letzten Endes sind die Politiker dann doch eingeknickt, wenn es ernsthaft Protest dagegen gab. Da gibt es wirklich noch viel zu tun.

FRANKREICH FAN: Wenn Sie einem deutschen Urlauber, der das erste Mal nach Frankreich reist, 3 Tipps geben dürften, welche wären das?

SEIBERT: Fangen wir mal mit Paris an. Da würde ich einen ganz einfachen Rat weitergeben, den mir meine Pariser Freundin Antoinette erklärt hat. Sie sagte: Steig einfach irgendwo aus der Métro aus, innerhalb der Stadtgrenze- und dann verlauf dich. Geh´in Paris verloren. Es kann nicht viel passieren, denn du bist immer in Laufnähe zu einer anderen Métrostation , um dann wieder nach Hause oder ins Hotel zu finden. Aber Paris muss man einfach zu Fuß erlaufen, am besten ohne Plan. Man findet überall kleine Plätze oder nette Ecken zum verweilen. Alternative: Mieten Sie ein Fahrrad, das geht ganz einfach über die öffentlichen vélibs. Worauf Sie da achten sollten, steht im Buch..

Tipp zwei : Suchen Sie sich irgendwo in Frankreich ein sehr, sehr gutes Restaurant. Schauen Sie NICHT auf den Preis, der natürlich immer über den deutschen Preisen liegt- und futtern Sie sich wirklich durch drei exzellente Gänge durch.. fabelhaft

Und der dritte Tipp: Erkunden Sie doch mal eine der weniger bekannten Regionen, die wir in dem Buch beschrieben haben. Etwa das Périgord oder das „grüne Venedig“, das Marais Poitevin -nehmen Sie sich ein Fahrrad oder zuckeln Sie ganz gemütlich mit dem Auto durch die Gegend, mit Picknick an einem Bach oder Paddeln auf einem Fluss – es gibt kaum etwas Schöneres…und feiern Sie auf dem Land den Nationalfeiertag, mit dem Feuerwehrball- das ist wirklich häufig noch so, wie in den alten Filmen….

FRANKREICH FAN: Vielen Dank für das interessante Interview!

Informationen zum Buch:

111 Gründe, Frankreich zu lieben.
Schwarzkopf & Schwarzkopf, 240 Seiten. ISBN: 978-3862655601.

 

Autorenbild Evi Seibert, © Stephanie Schweigert.

Hallo, ich heiße Martin Stäbe und arbeite im Online-Marketing. Meine Leidenschaft gehört seit meiner Jugend Frankreich. Ich liebe den Klang der französischen Sprache, Wortspiele, französische Patisserie & mehr. Auf diesem Blog möchte ich meine Erfahrungen mit diesem wunderbaren Land mit anderen Frankophilen teilen. Bonne lecture! :)

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