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Käsekuchen, Vauban & Co. : Französische Spurensuche in Freiburg

Freiburg im Breisgau - Münsterplatz

Sich wie in Frankreich fühlen, ohne die Rheinseite wechseln zu müssen? Mais oui ! Möglich ist das beispielsweise in Freiburg im Breisgau, idyllisch im Dreiländereck Deutschland/Frankreich/Schweiz gelegen. Das Elsass auf französischer Seite ist hier nur einen Katzensprung entfernt. Der Frankreich-Fan hat sich auf französische Spurensuche in der Stadt am Westrand des südlichen Schwarzwalds gemacht, deren Geschichte mit der Frankreichs eng verwoben ist.

Hin und Her zwischen Österreich und Frankreich

Seit dem Jahr 1677 war Freiburg mehrere Male in französischer Hand. Sébastien le Prestre de Vauban, der Baumeister des Sonnenkönigs Ludwig XIV., errichtete eine riesige Festungsanlage, die die Stadt sternförmige umschloss. Aber als die Franzosen 1745 endgültig abzogen, rissen sie auch die Festung wieder ab. Das Breisacher Tor, einst „Porte Saint Martin“ genannt, ist ein Überrest aus dieser Zeit. Heute beherbergt es ein mexikanisches Restaurant. 1805 gliederte Napoleon I. Freiburg in das Großherzogtum Baden ein. Die letzte Franzosenzeit ging dann vor über 27 Jahren mit dem Abzug der einstigen Besatzer zu Ende.

Elsässische Spezialitäten auf dem Münstermarkt

Doch Franzosen zieht es auch heute noch nach Freiburg – als Touristen, zum Ein- und Verkaufen und zum Studieren. Davon kann man sich beim Besuch des Münstermarkts rund um Freiburgs Wahrzeichen selbst ein Bild machen. Ein Händler aus dem elsässischen Gueberschwihr bietet hier Bio-Käse an, natürlich auch den berühmten Münsterkäse.

Käse, Salami, Pastete: Französische Spezialitäten für Gourmets auf dem Münstermarkt

Nebenan findet der Gourmet mit Entenleberpastete und Schweinesalami mit Roquefort ein kleines kulinarisches Paradies vor. Und selbstverständlich dürfen Quiches mit ihren verschiedenen regionalen Varianten wie „Quiche vosgienne“ (mit Käse) oder „Quiche alsacienne“ (mit Zwiebeln) nicht fehlen.

Eine Freiburger Bäckerei verkauft Käsekuchen, der auch bei Franzosen ein Renner ist, wie die Verkäuferin mir erklärt. Kein Wunder, dass die Kuchen hier zweisprachig ausgezeichnet sind. Darf es Käsekuchen mit „Apfel Zimt“ (Pomme cannelle) oder doch lieber mit Kirschen (cerises) sein? Chacun à son goût.

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Zweisprachigkeit beim Käsekuchenkauf: Der Freiburger Kuchen kommt bei Franzosen gut an.

Auch bei einem Bummel über die Kaiser-Joseph-Straße, der Einkaufsmeile der Stadt, oder in den Geschäften ist des Öfteren Französisch zu vernehmen. Doch trotz des ein oder anderen übersetzten Hinweisschilds: Als Zone der Zweisprachigkeit kann man Freiburg nicht gerade bezeichnen.

Wer Bücher in der Sprache des Nachbarn sucht, wird in der französischen Abteilung im Untergeschoss der Buchhandlung „Walthari“ in der Universität fündig. Gegenüber bei „Rombach“ wartet der brandneue, zweisprachige Comic-Band „Kazh devient bilingue – Kazh wird zweisprachig“ der Freiburger Lehrerin Aurélie Guetz auf Französisch-Lernende, die einen leichten und spielerischen Zugang zur französischen bzw. deutschen Sprache zu schätzen wissen. Eine eigene Abhandlung über den Einfluss der Franzosen auf die Stadt finde ich in den Freiburger Buchhandlungen leider nicht. Doch ein Buch über die Historie der Freiburger Straßennamen von Peter Kalchthaler hilft mir schließlich dabei, die Bedeutung einiger Namen zu entschlüsseln.

Rempartstraße: Erinnerung an einen Festungswall

So komme ich bei meinem Spaziergang durch die Altstadt in der Nähe des Martinstors an der Rempartstraße vorbei. Rempart ist das französische Wort für Festungswall. Die Rempartstraße wurde laut Kalchthaler 1812 auf den Resten der barocken Umwallung der Stadt angelegt (siehe Abschnitt zur Geschichte Freiburgs oben). Wenige hundert Meter weiter fällt mir die Sedanstraße auf, die an den Sieg im Deutsch-Französischen Krieg bei Sedan durch den General Helmuth von Moltke erinnert.

1656 Franzosen wohnten 2016 laut offizieller Zählung in Freiburg und machten damit den drittgrößten Anteil der EU-Ausländer aus (hinter Italienern und Rumänen). Seitdem dürften noch einige Neu-Freiburger von jenseits des Rheins hinzugekommen sein. Regelmäßig treffen und diskutieren sie mit Deutschen bei Stammtischen, es gibt sogar einen deutsch-französischen Chor, der „anspruchsvolle Chormusik mit dem Interesse an Frankreich“ verbindet. In den Kinos stehen französische Produktionen auf dem Programm – auch in Originalversion. Und das Uni-Radio Freiburg widmet sich in der zweisprachigen Sendung „Liberté und Lärmschutzverordnung“ unter anderem den Klischees über Deutsche und Franzosen.

Centre Culturel Français : Förderung der französischen Sprache

Der Förderung der französischen Kultur und Sprache hat sich das am Münsterplatz beheimatete „Centre Culturel Français Freiburg (CCFF)“ verschrieben. Dazu zählen neben den angebotenen Sprachkursen auch Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und Ferienlager.

Freiburg, am Dreiländereck gelegen, ist für Franzosen und Schweizer äußerst attraktiv.

Frankophile Studenten haben am Frankreich-Zentrum der Albert-Ludwigs-Universität die Wahl zwischen drei deutsch-französischen Masterstudiengängen: deutsch-französische Journalistik, interkulturelle Studien Deutschland und Frankreich, internationale Wirtschaftsbeziehungen. Außerdem betreibt die Einrichtung intensiv Frankreichforschung, um die zwischenstaatlichen Beziehungen zu unterstützen. Die Ergebnisse lassen sich in der Reihe „Studien des Frankreich-Zentrums der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg“ im Erich Schmidt Verlag nachlesen.

Von der Kaserne zum Wohnquartier

Als die letzten französischen Soldaten 1992 die Stadt verließen, wurde auf dem Gelände der alten Vauban-Kaserne im Süden der Stadt ein neues Wohnquartier errichtet, für das der Name des königlichen Festungsbaumeisters beibehalten wurde.

Im Freiburger Vauban-Stadtviertel lebten während der Besatzungszeit französische Soldaten.

Heute leben in dem teilweise autofreien Öko-Stadtteil „Vauban“, das durch die Stadtbahnlinie 3 an den öffentlichen Personennahverkehr angeschlossen ist, auf 41 Hektar rund 6000 Menschen – vor allem Familien mit Kindern und Studenten. Hier wohnt man energieeffizient in Passivhäusern und Plusenergiehäusern, in denen mehr Strom erzeugt wird als die Bewohner konsumieren. Der grüne Zeitgeist zeigt sich auch an einem Banner, das an einem Balkon hängt: Fessenheim abstellen.

Fessenheim abstellen: Das störanfällige französische Kernkraftwerk liegt nur knapp 30 Kilometer entfernt

Die französischen Besatzer ließen damals für die Armeeangehörigen eigene Geschäfte, Ämter und Wohnungen bauen. Diese Franzosenbauten sind heute noch aufgrund ihrer typischen Bauweise im Stadtbild zu erkennen, beispielsweise an der Colmarer Straße.

La Baguette – 30 Jahre französische Backtradition in Freiburg

Kulinarisch lässt sich ein Stück Frankreich in Freiburg ebenfalls genießen. Eine Suche auf Google nach „französische Bäckerei Freiburg“ lotst mich zur Boulangerie „La Baguette“ in der Eschholzstraße im Stühlinger.

La Baguette – eine Freiburger Institution für original französisches Brot

Beim Eintritt in die Bäckerei duftet es bereits verführerisch nach Baguette und anderen original französischen Backwaren. Seit 30 Jahren gehen hier neben den knusprigen Brotstangen auch Croissants, Tartes und viele weitere Leckereien über die Ladentheke – alles gebacken von einem französischen Bäcker. Süße und herzhafte Spezialitäten aus Frankreich bekommt man auch im Café Marcel (Im Stadtgarten 1) oder im Mirabeau in der Guntramstraße 13.

Wem Freiburg jetzt doch nicht französisch genug ist oder wer eine Stippvisite in das benachbarte Elsass unternehmen möchte (was im Übrigen die Freiburger sehr gerne tun): Mit dem Zug geht es für 16 Euro (Regio Elsass Ticket Single) von Freiburg über Breisach nach Colmar. Oder für 13 Euro mit dem DuAl-Ticket nach Mulhouse.

Hallo, ich heiße Martin Stäbe und arbeite im Online-Marketing. Meine Leidenschaft gehört seit meiner Jugend Frankreich. Ich liebe den Klang der französischen Sprache, Wortspiele, französische Patisserie & mehr. Auf diesem Blog möchte ich meine Erfahrungen mit diesem wunderbaren Land mit anderen Frankophilen teilen. Bonne lecture! :)

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