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Boeuf-carottes – mehr als nur ein schmackhafter Eintopf

Boeuf Carrottes

Boeuf-carottes: Das ist ein schmackhafter französischer Eintopf, dessen Hauptbestandteile Rindfleisch und Karotten sind. Aber nicht nur. Mit „boeuf-carottes“ oder „boeufs“ werden in Frankreich im Argot auch die Mitglieder des IGS und IGPN, der internen Polizei der Polizei bezeichnet („police des polices“).

Diese leiten immer dann Ermittlungen ein, wenn Tatsachen bekannt werden, die den Verdacht eines Dienstvergehens von Beamten der „Police nationale“ nahelegen (zum Unterschied zwischen „Police nationale“ und „Gendarmerie“ siehe hier), wie z. B. bei Korruption oder übermäßiger Polizeigewalt. Sie untersuchen, ob einem Polizisten gravierendes Fehlverhalten, „bavure“ genannt, zur Last gelegt werden kann oder ob diesen keine Schuld trifft.

Aufgrund ihrer Unabhängigkeit, umfangreichen Kompetenzen und ihrer Härte sind sie innerhalb der Polizei gefürchtet („Ils ne nous font pas de cadeaux et ne sont pas là pour ca.“) Zuletzt in Erscheinung ist die „police des polices“ Anfang Februar bei der Festnahme des Leiters der Pariser Kriminalpolizei Bernard Petit, der sich des Geheimnisverrats schuldig gemacht hat. Wer sich als einfacher Bürger in Frankreich übrigens über die Polizei beschweren möchte, kann dies auch online auf einer eigenen Webseite tun.

Doch wie kam es zu dem Spitznamen „boeuf-carottes“? Zwei Erklärungen werden hierfür im Netz angeboten:

  • Zum einen wird kolportiert, dass Beamte, die in die Mühlen der internen Dienstaufsicht geraten und aus dem Polizeidienst entlassen werden, sich nur noch das relativ günstige Schmorgericht „boeuf-carottes“ als Mahlzeit leisten können.
  • Zum anderen bezieht man sich auf die berüchtigte Verhörtaktik: Die „boeuf-carottes“ lassen die Beschuldigten – wie das Rindfleischgericht – erst eine Zeit lang schmoren, ehe mit der Befragung begonnen wird.

Die Bezeichnung „boeuf-carottes“ wurde auch durch den Film „Les Ripoux“ von Claude Zidi in Frankreich verbreitet. Hier ein Trailer:

Eine deutsche Entsprechung für diese besondere Einrichtung habe ich leider nicht gefunden (Im Kriminalroman „Commissaire Carlucci: Die Richterin von Nizza“ ist ebenfalls nur von den „boeuf-carottes“ die Rede). Es gibt in der Bundesrepublik auch keine unabhängigen Ermittlungsstellen bei Polizeigewalt, hier ermitteln Polizisten gegen ihre eigenen Kollegen.

Einen ausführlichen Vergleich der Organisation der deutschen und französischen Sicherheitsorgane bietet dieser Blogbeitrag auf „Zeit Online“.

Wussten Sie, dass die Polizei in Frankreich einen eigenen Webshop mit Fanartikeln betreibt? Auf dieser Seite finden Sie mehr Informationen dazu.

Hallo, ich heiße Martin Stäbe und arbeite im Online-Marketing. Meine Leidenschaft gehört seit meiner Jugend Frankreich. Ich liebe den Klang der französischen Sprache, Wortspiele, französische Patisserie & mehr. Auf diesem Blog möchte ich meine Erfahrungen mit diesem wunderbaren Land mit anderen Frankophilen teilen. Bonne lecture! :)

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