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Die feucht-fröhliche Herkunft des Adverbs „à tire-larigot“

Alkohol

„Elle est merveilleuse, la vie! Elle fabrique, à tire larigot, des clématites et des paquebots, des squelettes et des chevelures“, schreibt der französische Schriftsteller Jacques Audiberti 1945 in „Quoat-Quoat“. Audiberti benutzt in diesem Beispiel das Adverb „à tire-larigot“ (immer mit Bindestrich!), das mit „reichlich“ übersetzt wird. Also: „Das Leben produziert reichlich Klematis, Passagierdampfer, Knochengerüste und Haare.“ Lange verband man das umgangssprachliche Wort ausschließlich mit dem Verb „boire“, um damit ein ausschweifendes Trinkverhalten zu charakterisieren.

In „à tire-larigot“, das im 16. Jahrhudert aus dem Refrain eines bekannten Liedes entstand, steckt zum einen das Verb „tirer“, zum anderen das Nomen „larigot“, eine kleine Flöte. „Tirer“ bedeutet in diesem Fall eine Flasche oder ein Weinfass zu leeren, und „a tire“ bedeutet, dies ununterbrochen zu tun. „Boire à tire-larigot“, das in den Werken von Rabelais häufig anzutreffen ist, war daher für trinkfreudige Menschen ein Ansporn, eine Weinflasche nach der anderen zu trinken, während man der Flöte ihre Töne entlockte.

Laut Bernard Cerquiglini, Professor der Linguistik an der Universität Paris VII, gibt es eine enge Verbindung zwischen dem Flöte spielen und eifrigem Trinken. Jahrhundertelang verwendete man übrigens das Wort „flûter“, auf Deutsch „übermäßig trinken“. Ebenfalls bekannt ist der Ausdruck „siffler une bouteille“ („einen zwitschern“). Nicht zuletzt wird ein Champagnerglas im Französischen „flûte“ genannt.

Glocken läuten macht durstig

Einer anderen Erklärung zufolge verdankt der Ausdruck seinen Namen der Glocke „La Rigaud“ in der Kathedrale von Rouen. Diese war aufgrund ihres immensen Gewichts nur schwer zum Läuten zu bringen, was die Glöckner sehr durstig machte.

Welcher Version man auch Glauben schenken mag: „à tire-larigot“ wird heute im Zusammenhang mit vielen anderen Verben in der Familie und unter Freunden verwendet (weniger allerdings in der Presse). Es drückt zum Teil exzessives Handeln aus: danser à tire-larigot, festoyer à tire-larigot, jouer à tire-larigot, s’en donner à tire-larigot, tweeter à tire-larigot.

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere an den Spielfilm „Micmacs à Tire-Larigot“ von Starregisseur Jean-Pierre Jeunet, der 2009 in den deutschen und französischen Kinos lief. Und Jacques Brel sang einst in „C’est comme ça“: „Dans les campages y a les filles. Les filles qui vont chercher l’eau à tire-larigot.“ 🙂

Um diesen Artikel zu schreiben, musste ich Recherche im Internet betreiben. Kennen Sie eigentlich im Französischen den kleinen, aber feinen Unterschied zwischen „rechercher“ und „chercher“? Falls nicht, dann sollten Sie jetzt hier weiterlesen. 🙂

Hallo, ich heiße Martin Stäbe und arbeite im Online-Marketing. Meine Leidenschaft gehört seit meiner Jugend Frankreich. Ich liebe den Klang der französischen Sprache, Wortspiele, französische Patisserie & mehr. Auf diesem Blog möchte ich meine Erfahrungen mit diesem wunderbaren Land mit anderen Frankophilen teilen. Bonne lecture! :)

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