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„Soupe“ oder „potage“: der kleine, aber feine Unterschied

Unterschied zwischen soupe und potage

Fans des französischen Schauspielers  Louis de Funès kennen sicherlich die Filmkomödie „Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe“, in der der Bauer Claude Ratinier und sein Nachbar sich die Zeit mit dem Essen von Kohlsuppe, „soupe aux choux“ genannt, vertreiben. Doch Suppe ist im Französischen nicht gleich Suppe. Neben „soupe“ existiert auch noch der Begriff „potage“. Was ist der kleine, aber im wahrsten Sinne des Wortes feine Unterschied zwischen beiden Wörtern?

Das Wort „soupe“ ist ein sehr altes Wort (13. Jahrhundert) und bezeichnete früher eine Scheibe Brot, über die Brühe, Milch oder Wein gegossen wurde. Aus dieser Zeit stammen Ausdrücke wie „tailler la soupe“ (Brot in die Suppe schneiden) und „trempée comme une soupe“, wenn jemand nach einem heftigen Regenschauer wie ein begossener Pudel nach Hause kommt.

Ob soupe au fenouil (nicht: soupe de fenouil), soupe à la citrouille, soupe aux fèves, soupe aux pois, soupe aux oeufs, soupe à la moutarde etc.: Die Hoch-Zeiten der „soupe“ waren das Mittelalter, das ihren therapeutischen Nutzen erkannte, und das 16. Jahrhundert. Etwas weniger alt ist das andere Wort für Suppe: potage. Damit wurde das Gemüse bezeichnet, das in einem Topf (le pot) gegart wurde. Es stammte natürlich aus dem „jardin potager“, dem Gemüsegarten.

Rustikal vs. vornehm

„Soupe“ und „potage“: Im Laufe der Jahrhunderte stehen die Begriffe mal in Konkurrenz zueinander, mal werden sie äquivalent gebraucht. Laut Sprachwissenschaftler Bernard Cerquiglini ist „soupe“

a) ein Begriff, der vor allem im Kreis der Familie verwendet wird,
b) rustikal und oft dickflüssig und
c) wird von einem Glas Rotwein begleitet.

„Potage“ hingegen hat für Cerquiglini einen urbanen Charakter, ist klarer als eine „soupe“ und wird häufig im Restaurant gegessen. Auch Bruno Denise schreibt in seiner „Histoire de la soupe“, dass die  „potage“ aufgrund des passierten Gemüses und der samtigen Textur einst als vornehmer angesehen wurde. Am Hofe des Sonnenkönigs Ludwig XIV benannten die Köche ihre Suppen sogar nach ihren Herren: potage condé, potage Saint-Germain, potage Du Barry etc. (Mein Freund Jacques meinte übrigens neulich augenzwinkernd, er habe den Eindruck, dass in Frankreich nicht wenige Köche heute mehr Zeit mit dem Erfinden kreativer Namen für Ihre Suppen als mit dem Kochen selbst verbringen würden.)

Tatsächlich war die rustikale „soupe“ früher das Grundnahrungsmittel der einfachen Leute. Da verwundert es nicht, dass die Suppenküchen in Frankreich „soupe populaire“ heißen. Besser gestellte Schichten bevorzugten für ihre Suppe den weniger vulgären Begriff „potage“. Nicoles Boileau, französischer Autor und Enfant terrible des französischen Literaturbetriebs im 17. Jahrhundert, machte sich darüber in seinen „Satiren“ genannten Werken lustig, indem er beide Begriffe unterschiedslos verwendete:

…Cependant on apporte un potage,
Un coq y paraissait en pompeux équipage,
Qui, changeant sur ce plat et d’état et de nom,
Par tous les conviés s’est appelé chapon…
Notre hôte cependant, s’adressant à la troupe,
Que vous semble, a-t-il dit, du goût de cette soupe?

Redewendungen mit dem Wort „soupe“

Neben den weiter oben bereits genannten Wendungen gibt es in der französischen Sprache noch weitere Ausdrücke mit dem Wörtchen „soupe“. Zum Beispiel  „A la soupe“, was eine Aufforderung darstellt, nun doch bitte zu Tisch zu kommen – allerdings sagt man das nur in der eigenen Familie, nicht zu Gästen. Und französische Kinder wissen: „Pour grandir on doit manger de la soupe.“ Wer allerdings zu viel isst, der wird schnell „gros plein de soupe“, nimmt also einiges an Körperfülle zu. Wenn jemand „soupe au lait“ (aufbrausend) ist, sollte man sich schleunigst in Sicherheit bringen. Ach ja, und um ein Restaurant, in dem ein „marchand de soupe“ das Sagen hat, sollte man besser einen großen Bogen machen.

Sie wollen mehr über die Herkunft von „soupe“ und „potage“ erfahren? Dann sei Ihnen folgende Internetadresse ans Herz gelegt: http://www.stanislasurbietorbi.com/stanislas/gastronomie/histoire-soupe.htm. In einer Radiosendung auf „Europe 1“ Anfang dieses Jahres wurde auch kurz auf den Unterschied zwischen „soupe“ und „potage“ eingegangen. Hier geht’s zur Aufzeichnung der Sendung.

Zum Abschluss noch ein kurzer Ausschnitt aus dem Film „Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe“ in der Originalversion:

Hallo, ich heiße Martin Stäbe und arbeite im Online-Marketing. Meine Leidenschaft gehört seit meiner Jugend Frankreich. Ich liebe den Klang der französischen Sprache, Wortspiele, französische Patisserie & mehr. Auf diesem Blog möchte ich meine Erfahrungen mit diesem wunderbaren Land mit anderen Frankophilen teilen. Bonne lecture! :)

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