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Pfingstmontag in Frankreich: Verwirrung um einen Feiertag

Pfingstmontag in Frankreich

Während die Deutschen ein verlängertes Pfingstwochenende genießen, gehen bei unseren Nachbarn jenseits des Rheins laut einer Umfrage des Personaldienstleisters Randstad am Pfingstmontag 30 % der Arbeitnehmer ganz normal arbeiten – und das obwohl der Pfingstmontag seit 2008 auch in Frankreich wieder ein gesetzlicher Feiertag ist, nachdem er 2004 als arbeitsfreier Feiertag abgeschafft worden war. Sie verstehen nur Bahnhof? Dann geht es Ihnen wie vielen Franzosen. Der Pfingstmontag ist der verwirrendste Feiertag im Nachbarland.

Ein Jahr vor der Abschaffung des Pfingstmontags als Feiertag hatte eine Hitzewelle („la canicule“) Tausenden Menschen das Leben gekostet, darunter viele ältere Menschen, die in Altenheimen nur unzureichend betreut worden waren. Als Konsequenz aus der unnatürlich hohen Zahl an Hitztoten wurde versprochen, das Gesundheitssystem auf den Prüfstand zu stellen. Die Regierung von Jean-Pierre Raffarin rief schließlich den nationalen Solidaritätstag (journée de solidarité) zugunsten der neu gegründeten „Nationalen Solidaritätskasse für Autonomie“ (Caisse nationale de solidarité pour l’autonomie, CNSA) ins Leben. Die Arbeitnehmer waren angehalten, künftig einen Tag zusätzlich zu arbeiten (7 Stunden bei einer 35-Stunden-Woche) – unentgeltlich. Der an diesem Tag erarbeitete Lohn sollte, zusammen mit einer jährlichen Sonderabgabe der Arbeitgeber von 0,3 % des Personalaufwands, unter anderem zur Finanzierung neuen Altenheim-Personals und zur Modernisierung von Altenpflegeeinrichtungen verwendet werden. Über 2 Milliarden Euro für alte und pflegebedürftige Menschen flossen so jedes Jahr in die Kassen der CNSA – insgesamt rund 24 Milliarden von 2004 bis 2014.

Solidaritätstag „à la carte“

Ein Feiertag musste also geopfert werden, was nach Umfragen eine Mehrheit der Franzosen befürwortete. Als die Wahl schließlich auf den Pfingstmontag fiel, kam es zu heftigen Protesten, weshalb die Regierung – wie so häufig – das Gesetz 2008 anpassen musste. Der Solidaritätstag selbst blieb zwar, doch konnten die Sozialpartner in den Unternehmen nun selbst entscheiden, wie sie die sieben Stunden zusätzliche Arbeit leisten wollten. Mehrere Möglichkeiten stehen laut Gesetz offen, um den Beitrag zur Solidarität mit älteren Menschen zu leisten („solidarité à la carte“).

  • Am Pfingstmontag wird wie an einem gewöhnlichen Werktag gearbeitet – allerdings ohne Bezahlung.
  • Man bestimmt einen anderen Feiertag (mit Ausnahme des 1. Mai), an dem unengeltlich gearbeitet wird. Im Elsass darf dieser Tag zusätzlich nicht auf den 25. und 26. Dezember sowie auf Karfreitag gelegt werden.
  • Der Arbeitnehmer opfert einen überstundenfreien Tag.
  • Die sieben Solidaritätsstunden werden aufs ganze Jahr verteilt. So arbeiten die Bediensteten bei der französischen Staatsbahn jeden Tag 1 Minute und 52 Sekunden zusätzlich.

Diese Regelung hat für reichlich Verwirrung unter französischen Arbeitnehmern gesorgt. Vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen ohne eigene Personalabteilung herrscht oft Unklarheit, ob am Pfingstmontag gearbeitet wird oder nicht. Jedes Jahr leisten die Medien daher Aufklärungsarbeit und erinnern an den Ursprung des Solidaritätstags.

Supermärkte geöffnet, Banken geschlossen

Der Pfingstmontag ist in Frankreich also zweigeteilt: Während Supermärkte und Einzelhandelsgeschäft (insbesondere in touristischen Zonen) geöffnet sind, arbeiten öffentliche Verwaltungseinrichtungen sowie viele öffentliche und private Unternehmen an diesem Tag nicht. Das Gleiche gilt für die Post, Versicherungen und Banken. Auch Schüler dürfen am Pfingstmontag ausschlafen. Die Stadt Paris gibt auf dieser Seite eine Übersicht über offene und geschlossene Sehenswürdigkeiten.

Vor einem Jahr stellte die Zeitung „Sud Ouest“ in ihrer Online-Ausgabe ihren Lesern folgende Frage: „Ergibt der „Solidaritätstag“ 10 Jahre nach seiner Einführung heute noch Sinn?“ Fast 90 % der Befragten antworteten in der (nicht-repräsentativen) Umfrage damals mit einem klaren „Non“. Die Solidarität wird zunehmend in Frage gestellt, auch weil Handwerker, Angehörige freier Berufe und Rentner von der Gesetzgebung ausgenommen sind und so die Gleichheit nicht mehr gewahrt ist.

Deswegen mussten sich auch die Gerichte schon mehrmals mit dem Solidaritätstag beschäftigen. Das französische Verfassungsgericht hat letztlich entschieden, dass dieser Tag im Einklang mit der Verfassung sei. Trotz allem: Der Pfingstmontag ist und bleibt der verwirrendste Feiertag der Franzosen.

Hallo, ich heiße Martin Stäbe und arbeite im Online-Marketing. Meine Leidenschaft gehört seit meiner Jugend Frankreich. Ich liebe den Klang der französischen Sprache, Wortspiele, französische Patisserie & mehr. Auf diesem Blog möchte ich meine Erfahrungen mit diesem wunderbaren Land mit anderen Frankophilen teilen. Bonne lecture! :)

3 Kommentare

  1. Hallo lieber Kollege Martin auch ich liebe Frankreich war schon in Paris, Languedoc, camargue, wohne nur 200 Kilometer von Mulhouse.Mir gefallen auch die Grossen Supermarche wie Auch an, carrefour und cora

  2. Gabriele Burchardt 21. Mai 2018 um 10:19 Antworten

    Ich grüße alle Frankreich Freunde.
    Mich hat es vor 2, 5 Jahren nach Frankreich verschlagen. Ich liebe das Leben auf dem Lande mit seiner Schlichtheit, Freundlichkeit und Hilfsbeteitschaft. Seitdem ich hier bin geht es meiner Seele gut.
    PS. Auswandern ist nichts für Feiglinge
    Gabriele

  3. Wir waren Pfingstmontag nach Frankreich, nach Forbach, gefahren weil wir dachten wir können im Supermarkt einkaufen. Nix wars. Alles war zu. Auch CORA war zu wie alle anderen Geschäft auch. Die Strassen wie leer gefegt.

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