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Halloween in Frankreich: Zwischen Leben und Tod

Halloween in Frankreich

Selbst geschnitzte Grusel-Kürbisse, Kinder in furchteinflößenden Kostümen und schaurig-schöne Halloween-Partys: Während Halloween in den USA und anderen anglophonen Ländern zu den wichtigsten Festen des Jahres zählt, hat der Brauch in Frankreich weitaus weniger Anhänger.

Für den Handel ist das Geschäft mit Halloween-Kochbüchern, speziellen Dekoartikeln, Verkleidungen und Süßigkeiten ein wichtiges Zusatzgeschäft kurz vor dem Weihnachtsgeschäft. Einige Kneipen und Bars locken am letzten Oktobertag mit Themen-Partys junge Kundschaft an. In den Auslagen mancher Gemüseläden werden Kürbisse zum Kauf angeboten.

Das Fest fand bei unseren Nachbarn in den späten 1990er Jahren erstmals Verbreitung und kannte einige erfolgreiche Jahre. Auf dem Höhepunkt des Halloween-Trends verteilte France Télécom auf dem Place du Trocadéro 8000 Kürbisse und taufte ein Mobiltelefon „Olaween“. Doch das ist fast zwei Jahrzehnte her. Lange blieb es dann ruhig um das Gruselfest.

Franzosen keine Verkleidungsmuffel

Warum Halloween in Frankreich sich bisher nicht wirklich durchsetzen konnte? Nein, Franzosen sind keine Verkleidungsmuffel – im Gegenteil. Doch in Frankreich verkleidet man sich in erster Linie an Neujahr oder wenn ein Geburtstag gefeiert wird. Dabei schießt der eine oder andere mit seinem Outfit schon mal über das Ziel hinaus. So wie der Gymnasiast, der.Anfang dieses Jahres mit seiner martialischen Verkleidung und einer falschen Kalaschnikov die Stadt Nizza an der Côte d’Azur in Angst und Schrecken versetzt hat. Aus diesem Grund hat die Polizei in der südfranzösischen Region „Alpes-Maritimes“ vor wenigen Tagen im Internet darauf  hingewiesen, dass das Tragen „gefährlicher Verkleidung“ und die Mitnahme von Plastikwaffen an Halloween verboten sind.

Halloween „à la française“ gefordert

Worin sind dann die Gründe zu sehen, dass man in Frankreich mit Zombie-Masken und Hexen-Kostümen nicht warm wird? Zum einen ist da natürlich die in den Köpfen von Politikern und Intelektuellen verankerte kulturelle Vorherrschaft Frankreichs („exception culturelle“) zu nennen, die sich mit Importen aus den USA immer schon schwer getan hat. Dann wird ein heidnisches Totenfest in einem katholischen Land am Vorabend von Allerheiligen in konservativen Kreisen und von der Kirche äußerst kritisch gesehen. Und schließlich ist in Frankreich die Privatsphäre heilig, was den Brauch des „Trick or Treat“, bei dem Kinder von Haustüre zu Haustüre ziehen und um Süßigkeiten bitten, problematisch macht. Um Halloween in Frankreich zu einem echten Durchbruch zu verhelfen, müsste man das Fest an die hiesige Kultur anpassen, ermpfahl das „Journal du Net“ einst in einem Artikel. Dazu gehöre auch, dem Fest den Grusel-Charakter zu nehmen.

YouGov-Umfrage sieht positiven Trend

Doch das Interesse der Franzosen an Halloween scheint wieder etwas aufzuflammen, wie eine kürzlich durchgeführte, repräsentative YouGov-Umfrage für die Gratis-Zeitung „20 Minutes“ nahelegt. Demnach wollen über 30 % der Befragten zwischen 18 und 44 Jahren in diesem Jahr Halloween mit ihren Freunden oder ihren Kindern feiern. Und 30 % der befragten Franzosen im Alter zwischen 25 und 34 Jahren planen sogar den Einkauf Halloween-spezifischer Produkte. Na dann, bonne fête de Halloween!

Hallo, ich heiße Martin Stäbe und arbeite im Online-Marketing. Meine Leidenschaft gehört seit meiner Jugend Frankreich. Ich liebe den Klang der französischen Sprache, Wortspiele, französische Patisserie & mehr. Auf diesem Blog möchte ich meine Erfahrungen mit diesem wunderbaren Land mit anderen Frankophilen teilen. Bonne lecture! :)

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