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Pariser Metro vs. Münchner U-Bahn – von A wie Ausblick bis Z wie Zugangsschranken

Unterschiede zwischen der Pariser Metro und der Münchner U-Bahn

Ich gestehe, ich bin ein großer Fan der Pariser Metro. Nicht nur, weil ich in den letzten Jahren mehr mit der Metro als mit der Münchner U-Bahn gefahren bin. Nein, als Fahrgast finde ich mich in den Tunnelsystemen der französischen Hauptstadt einfach besser zurecht als im Untergrund der bayerischen Landeshauptstadt. Entdecken Sie mit mir 11 weitere Unterschiede zwischen der Pariser Metro und der U-Bahn in München – von A wie Ausblick bis Z wie Zugangsbarrieren.

1.) A wie Ausblick
Pariser wie Touristen bekommen bei der Fahrt mit der Pariser Metro auf der Linie 6 einen echten optischen Leckerbissen geboten. Zwischen den Stationen Passy und Bir-Hakeim überquert sie den Viadukt von Bir-Hakeim. Von dort bietet sich dem Fahrgast ein großartiger Blick auf den Eiffelturm in seiner ganzen Pracht – das Wahrzeichen von Paris schlechthin. Einen vergleichbar schönen Ausblick gibt es im Netz der Münchner U-Bahn meines Wissens leider nicht zu bewundern. Sollte ich mich jedoch irren, da ich selbstverständlich noch nicht die ganzen 95 Kilometer Streckenlänge abgefahren bin,  einfach in den Kommentaren am Ende dieses Beitrag einen Hinweis darauf hinterlassen. 🙂

2.) B wie Barrierefreiheit
Bedingt durch das Alter der Metro sind viele Stationen nicht barrierefrei – mit Ausnahme aller Stationen der Metro-Linie 14. Vor über 100 Jahren war Barrierefreiheit eben noch keine Anforderung bei Bauprojekten dieser Art. Daher ist Paris für Rollstuhlfahrer wahrlich kein einfaches Pflaster. Lediglich große Haltestellen wie Châtelet sind an die Bedürfnisse behinderter Menschen angepasst und verfügen beispielsweise über Aufzüge. Wie mir eine Freundin vor Ort allerdings erzählt hat, sind diese nicht selten außer Betrieb. So bleibt bei Fahrten in der Stadt dann oft nur der Bus als Alternative. Doch nur Busse mit einem entsprechenden Heck-Aufkleber sind geeignet. Auf dieser Seite kann man sich informieren, welche Stationen behindertengerecht sind: http://www.infomobi.com/

In München hingegen sind alle Stationen mit Zugangsmöglichkeiten für Rollstuhlfahrer  ausgestattet, ein Tastrillenstreifen markiert für Personen mit einer Sehbehinderung – wie auch in Paris – den Sicherheitsabstand zur Bahnsteigkante und auch die neuen Züge gehen auf die Anforderungen von Fahrgästen mit Behinderung ein. Die neuesten U-Bahn-Stationen sind sogar mit einem kompletten taktilen Leitsystem von den Liften und Treppen zum Bahnsteig ausgestattet. Das hat den Stadtwerken1996 den Integrationspreis des Bayerischen Blindenbundes eingebracht. Hier finden Sie mehr Informationen zu „MVV barrierefrei„.

3.) I wie Internet
In der Pariser Metro im Internet zu Surfen, macht keinen Spaß. Zwar hat man Verbindung zum World Wide Web – aber nur über den ultralangsamen Übertragungsstandard EDGE wie Toms Hardware-Blog schreibt. Die Abdeckung mit dem neuen Standard 3 G bzw. sogar 4 G soll bis Ende 2015 im gesamten Netz der Metro realisiert sein – auf der Linie 1 sollen sich Metro-Benutzer jetzt schon über schnelles Internet freuen dürfen, berichtet die Huffington Post. In der Münchner U-Bahn gibt es schon seit einigen Jahren, inbesondere im Innenstadtbereich, Mobilfunknetzversorgung mit 3 G, das allerdings oft noch Probleme bereiten soll wie in diversen Foren zu lesen ist.

4.) K wie Kultur
Die Pariser Metro hat Künstler, Autoren und Filmschaffende seit jeher zu kreativem Schaffen inspiriert. Sie wurde z. B. in Raymond Quesnaus „Zazie in der Metro“ beschrieben, von Serge Gainsbourg (Le Poinconneur des Lilas), Florent Pagny (Châtelet- les-Halles) und vielen anderen mehr besungen. Außerdem dient die Geisterstation „Porte des Lilas“ als Filmkulisse für nationale und internationale Produktionen. Hier standen schon Sophie Marceau, Meryl Streep, Audrey Tautou, Kad Merad uvm am Bahnsteig. Außerdem veranstaltet die RATP als Betreibergesellschaft regelmäßig Wettbewerbe für Hobby-Literaten. Die besten Werke  sind dann in den Metro-Stationen oder den Zügen selbst zu bewundern. Doch auch die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) hat in Sachen kulturelles Engagement einiges zu bieten, wie in der Imagebroschüre nachzulesen ist. Außerdem wurde die U-Bahn-Station „Messestadt West“ 2000 in dem Kurzfilm „Gone Underground“ verewigt. Hier der Link zum Kurzfilmtrailer auf YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=3KJT4_vQf48

5.) K wie Kriminalität
Nichts gegen München, doch mit den Besucherzahlen von Paris kann die bayerische Landeshauptstadt nicht mithalten. Und viele Touristen ziehen natürlich auch viele Kleinkriminelle an. Ständig wird man in der Pariser Metro auf den wichtigen touristischen Linien vor dem Treiben von „pickpockets“, also Taschendieben, gewarnt. Die meisten Vorfälle passieren in den Stationen selbst oder beim Umsteigen in den langen Metrogängen. Man sollte es tunlichst vermeiden, in der Öffentlichkeit Wertsachen wie z. B. ein teures Smartphone, ein iPad oder ähnliches zu präsentieren. Aber auch Gewaltdelikte sind in der Metro wie in allen Großstädten an der Tagesordnung, was insbesondere Frauen beunruhigt wie eine Studie erst kürzlich herausfand. In dieser Infografik aus dem Jahr 2010 erkennt man, welche Stationen und Metro-Linien besonders von Kriminalität betroffen sind.

In München sorgen vereinzelte Gewaltverbrechen in den U-Bahn-Stationen immer wieder mal für Schlagzeilen in der lokalen Presse. Siehe hier oder hier.

6.) L wie lange Wege
Da einige Stationen recht weit verzweigt sind, muss man beim Umsteigen Wege von bis zu 15 Minuten und mehr einkalkulieren. Klaus Schüle schreibt in seinem Buch „Paris – Vordergründe/Hintergründe/Abgründe“ in Bezug auf die Planung der Metro: „Aber nicht selten ist schiere Dummheit am Werk gewesen – so, als die Pariser Umsteigestationen, statt wie in London übereinander, hier in Paris nebeneinandergelegt wurden. Noch heute läuft man in der Metro viel zu viel …“. Das ist in München anders gelöst, hier benötigt man zum Umsteigen oft nur einige Minuten.

7.) M wie Musik
Laut Politikwissenschaftler Roman Leuthner (in seinem Buch “Nackt duschen streng verboten”) sind die Deutschen nicht nur Exportweltmeister, sondern auch Bürokratieweltmeister. Da wundert es nicht, dass Musizieren in öffentlichen Verkehrsmitteln strengstens verboten ist – so auch in München. “Musizieren und Betteln stört die meisten Fahrgäste und ist deshalb in U-Bahn, Bus, Tram und S-Bahn sowie in den Bahnhöfen verboten”, heißt es auf den Seiten des MVV hierzu. Doch allen Verboten zum Trotz sieht und hört man in den vergangenen Monaten verstärkt Migranten aus Osteuropa in den U-Bahnen musizieren.

Die einzige legal gespielte Musik im Münchner Untergrund vernimmt man auf den Bahnhöfen der U3 und U6 zwischen Odeonsplatz und Münchner Freiheit. Allerdings hat die Berieselung mit Mozart oder Vivaldi nicht den Zweck, die Münchner an klassische Musik heranzuführen, sondern das sogenannte subjektive Sicherheitsgefühl soll erhöht werden.

Ganz anders in Paris: Dort sind die U-Bahn-Stationen für Musikanten und Kleinkünstler eine einzigartige Bühne, täglich vor Tausenden von Metro-Benutzern das eigene Können unter Beweis zu stellen. Doch um an die begehrte Akkreditierung zu kommen, muss man erst einmal bei der „Casting-Agentur“ der RATP, der Espace Metro Accords, vorsingen bzw. vorspielen. Für einige Künstler waren die Auftritte in der Metro sogar das Sprungbrett für eine internationale Karriere wie Keziah Jones bewiesen hat.

8.) O wie Obdachlose
Die Metro ist auch Heimat und Zufluchtsort von Menschen ohne festen Wohnsitz, die die Franzosen mit ihrer Vorliebe für Kürzel SDF (Sans Domicile Fixe) nennen – und davon gibt es in Paris leider eine ganze Menge. Während mir in München von Seiten der MVG offiziell keine „Hilfen“ für Obdachlose bekannt sind (zuständig für Sicherheit und Ordnung in den U-Bahn-Stationen – und damit auch für Obdachlose – ist die Münchner U-Bahnwache), kümmert man sich in Paris – notgedrungen – um die SDF. Mitarbeiter des  Metro-Sozialdienstes (Recueil social) suchen die Obdachlosen in der Metro auf, geben ihnen Kaffee und versuchen sie an entsprechende Einrichtungen zu vermitteln.

9.) S wie Stationen
Für Geschichtsliebhaber ist Paris ein Traum: Jede Station ist nach einem wichtigen Ort oder einer Persönlichkeit der französischen Geschichte benannt. Franklin D. Roosevelt, Bastille, Alésia, Alexandre Dumas. Weitere Informationen zur Benennung der Metrostationen erhält der interessierte Leser auf Frankreichs offizieller Website france.fr. In einigen ausgewählten Stationen erhält der Geschichtsliebhaber sogar zusätzliche Informationen zum Namen der Station geliefert. Interessant auch: Anhand der Namen der Stationen lassen sich oft Rückschlüsse auf die Bewohner des Stadtviertels ziehen, wie Pierre Miquel in seiner „Kleinen Geschichte der Pariser Metro-Stationen“ aus dem Jahr 1993 schreibt. So tragen die Stationen im Pariser Osten überwiegend Namen von kommunistischen Politikern, z. B. Guy Môquet.

In München sind die U-Bahn-Stationen häufig nur nach geographischen Namen benannt und heißen schlicht z. B. Olympia-Einkaufszentrum, Nordfriedhof, Kieferngarten, Schwanthalterhöhe usw. Ebenso schlicht und trostlos ist auch die Architektur in vielen Münchner U-Bahnhöfen – mit Ausnahme der im letzten Jahrzehnt neu gebauten (z. B. Georg-Brauchle-Ring), die von moderner Kunst geprägt sind.

10.) V wie vollautomatische Linie
Eine U-Bahn ohne Fahrer? Gibt’s in München gott sei Dank (noch) nicht – denn dann fielen ja auch die vielen im breitesten Bayerisch vorgetragenen, amüsanten Ansagen weg. In Paris schon. Die Metro-Linie 14 verbindet den Pariser Bahnhof Saint-Lazare mit dem Pariser Süden und transportiert die Fahrgäste vollautomatisch. Seit 2013 kommt auch die Linie 1, die die Kapitale von West nach Ost durchquert, ohne Fahrer aus.

11.) Z wie Zugangsschranken
Der Franzose fährt gerne mal schwarz. Da verwundert es nicht, dass der Eingang zur Pariser Unterwelt mit Barrieren versehen ist – im Gegensatz zur Münchner U-Bahn, zu der man ungehindert Zutritt hat (Wussten Sie aber, dass nur für den Aufenthalt auf dem Bahnsteig bereits ein Ticket zu lösen ist? Dann lesen Sie einmal diesen Blogbeitrag der MVG). Ohne Ticket kein Zutritt zur Metro – zumindest theoretisch. In der Praxis sieht man doch immer wieder junge Leute ohne Ticket oder Obdachlose, die sich einfach über die Drehkreuze schwingen. Allerdings ist hier Vorsicht angebracht. Denn auch wenn ich selbst in der Pariser Metro bei meinen zahlreichen Besuchen noch nicht nach meinem Fahrschein gefragt wurde, habe ich des Öfteren schon Kontrollen in den Gängen der Metro-Stationen erlebt. Und wie mir eine Pariserin erzählt hat, soll es sogar in den Zügen selbst Fahrscheinkontrollen geben.

Sie sind Paris-Fan und an Insider-Tipps für die französische Hauptstadt interessiert? Dann lesen Sie hier auf diesem Blog weiter. Wenn Sie mehr interessante Geschichten rund um München lesen wollen, empfehle ich Ihnen die Seiten eines guten Bekannten: muenchen-sehen.com.

Hallo, ich heiße Martin Stäbe und arbeite im Online-Marketing. Meine Leidenschaft gehört seit meiner Jugend Frankreich. Ich liebe den Klang der französischen Sprache, Wortspiele, französische Patisserie & mehr. Auf diesem Blog möchte ich meine Erfahrungen mit diesem wunderbaren Land mit anderen Frankophilen teilen. Bonne lecture! :)

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