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Ouigo kein No-Go: Meine Fahrt im Billig-TGV von Paris nach Nantes

Fahrt im Ouigo-Zug

Mitte April besuchte ich wieder einmal Freunde in Paris. Und da sich die französische Hauptstadt wunderbar als Ausgangspunkt für Tagesausflüge in andere französische Städte eignet, testete ich diesmal das Low-Cost-Angebot der französischen Eisenbahngesellschaft SNCF namens Ouigo. Mit Ouigo kommt man bereits ab 10 Euro ans Mittelmeer. Hier ein kurzer Erfahrungsbericht von meiner Fahrt nach Nantes.

Alles begann mit einer Recherche auf der Reiseseite voyages-sncf.com. Als ich dort rund eine Woche vor Reisebeginn günstigste Verbindungen von Paris nach Nantes recherchierte, waren nur noch Tickets zwischen 40 und 60 Euro für die einfache Fahrt erhältlich. Ein Angebot stach allerdings heraus – 25 Euro sollte die einfache Fahrt in die Bretagne mit dem Zug Ouigo nur kosten. Ouigo was?

Einschränkungen im Service

Auf Wikipedia.de erfuhr ich, dass es sich bei Ouigo um eine Billigreisemarke der SNCF handelt, mit der man preiswert Zug fahren kann. Im Grunde ist der Ouigo-Zug nur ein normaler TGV mit anderer Lackierung. Dafür gibt es einige Einschränkungen im Service (ähnlich wie dies bei Billigflugmarken à la Ryanair der Fall ist):

  • Fahrkarten können nur online erworben werden.
  • Bei den Fahrten ist im Preis nur ein relativ kleines Gepäckstück sowie ein Handgepäck erlaubt. Erscheint man mit mehr Gepäck, wird es teuer – 20 Euro pro zusätzlichem Gepäck.
  • Die Ouigo-Züge verkehren in der Regel von abgelegenen Bahnhöfen, um Bahnhofbenutzungsgebühren zu sparen.
  • Kaum Servicepersonal im Zug, da die Fahrkarte schon vor dem Zustieg kontrolliert wird.
  • Es gibt keine Bordgastronomie und auch keine 1. Klasse.

Am meisten Kopfzerbrechen bereitete mir die Anfahrt ins 15 Kilometer südlich von Paris gelegene Massy, von wo aus der TGV in Richtung Nantes abfahren sollte. Um rechtzeitig vor Ort zu sein, erkundigte ich mich bereits am Vortag in einer Metrostation über die Anfahrt nach Massy Gare. Eine gute halbe Stunde benötigt der Schnellzug RER vom Pariser Nordbahnhof nach Massy, das Einzelticket mit Metro und RER kostete 5,50 Euro.

Am Bahnhof in Massy angekommen, musste man dann noch ein paar hundert Meter zum TGV-Bahnhof laufen. Dort wartete vor dem Aufzug, der die Fahrgäste eine Etage tiefer bringt, bereits eine Schlange an Reisenden – vor allem jüngere Leute und Familien.

Warteschlangen am Check-in-Schalter? Fehlanzeige!

Auf meinem Bahnticket stand, ich sollte spätestens um 13:06, also 30 Minuten vor der Abfahrt meines Zuges, am Check-in-Schalter sein. Letztlich war alles aber halb so wild. Ich musste am Schalter weder anstehen, noch wurde die Größe meiner Umhängetasche gemessen (Achtung: 5 Minuten vor Abfahrt des Zuges schließt der Check-in-Schalter!). Lediglich der QR-Code meines E-Tickets wurde von Ouigo-Mitarbeitern gescannt. Dann stand ich unterhalb der Bahnhofshalle,  wo die Gleise verlaufen, in einer zugigen und dunklen Röhre und wartete auf meinen Low-Cost-TGV. Der traf dann schließlich mit ein paar Minuten Verspätung, aus Tourcoing im Norden Frankreichs kommend, auch im Bahnhof ein. Zuvor war er bereits mehrere Male angekündigt worden.

Im Vorfeld hatte ich im Netz gelesen, dass ein Ouigo-Zug mehr Personen als ein klassischer TGV-Zug transportiert. Ich stellte mich dementsprechend auf beengte Verhältnisse ein. So schlimm war es dann auf meiner Fahrt allerdings nicht – die Auslastung hängt wahrscheinlich von der Reisezeit und dem Reiseziel ab. Steckdosen an den Plätzen, um beispielsweise sein Handy aufzuladen, gab es natürlich auch nicht (aber die gibt es im normalen TGV auch nicht). Diese Option kann man bei der Reservierung  allerdings dazubuchen. Übrigens: Wenn man eine Fahrt mit dem Ouigo-Zug gebucht hat, wird man vor der Fahrt noch einmal an die zulässigen Gepäckstücke auf der Fahrt erinnert. Nach der Reise bittet Ouigo dann zur Zufriedenheitsumfrage. Auch können Bilder von der Fahrt in den sozialen Netzwerken gepostet werden.

Übrigens: Aktuell bedient der Ouigo-Zug Destinationen in ganz Frankreich: Paris, Lyon, Avignon, Aix-en-Provence, Marseille, Montpellier, Metz, Tourcoing, Nizza, Valence, Nantes, Nîmes, Strasbourg, Angoulême, Rennes, Amiens, Angers, Le Mans. Geplant ist auch noch eine Verbindung nach Straßburg. Die genauen Verbindungen findet man auf dieser Seite.

Fazit

Wer in Frankreich längere Strecken mit dem Zug günstig zurücklegen möchte und nicht mit Kind und Kegel sowie zehn Kilo Gepäck unterwegs ist, für den ist Ouigo sicher eine gute Alternative zum klassischen TGV.

 

Hallo, ich heiße Martin Stäbe und arbeite im Online-Marketing. Meine Leidenschaft gehört seit meiner Jugend Frankreich. Ich liebe den Klang der französischen Sprache, Wortspiele, französische Patisserie & mehr. Auf diesem Blog möchte ich meine Erfahrungen mit diesem wunderbaren Land mit anderen Frankophilen teilen. Bonne lecture! :)

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